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Unser Garten für alle Generationen im Schulungszentrum

Gemeinsam die Natur erleben - inklusiv und mit allen Generationen

Jeden Mittwoch-Vormittag – ausgenommen sind die Wintermonate und die Schulferien – gärtnern  auf unserem ca. 1500m² großen Schulungsgelände  in einem 200m²-Hochbeetgarten
• Kinder der Kindertagesstätte Montessori-Kinderhaus St. Marien, Nordstraße
• abwechselnd eine von zwei 3. (bzw. nach den Sommerferien 4.) Schulklassen der Grundschule Forellstraße
• eine Gruppe junger Erwachsener aus den Kursen und Werkstätten der Wewole-Stiftung (Werken – wohnen - leben für Menschen mit Behinderungen)
• eine Gruppe teils an Demenz erkrankter, teils auf Rollstuhl oder Rollator angewiesener Senioren aus dem Senior-Campus Forellstraße.
Angeleitet und organisiert wird das Gärtnern ehrenamtlich vom Verbands-Fachberater, weiteren FachberaterInnen und einem Imker des Imkervereins Herne, der auf dem Gelände Bienenvölker betreut.
Wie kam es dazu?
Der Stadtverband der Gartenfreunde Herne-Wanne e.V. beschloss 2018, sein Schulungszentrum mit Schulgarten, Imkerstation und Fachberatungs-Schulhaus zu modernisieren. Während auf dem Gelände die Aufräumarbeiten anliefen und Pläne diskutiert wurden, erreichte uns ein Telefonat des Leiters des Senior-Campus Herne, Roberto Gentilini, mit dieser Idee: Ein Generationengarten könnte entstehen!
Nach einem Planungsabend im Juni 2018 mit Vertretern der beteiligten Gruppen Senior-Campus, Grundschule, Kinderhaus, Imkerverein und Kleingärtner-Stadtverband begann das Projekt Fahrt aufzunehmen. Eine Gruppe der WeWoLe-Stiftung kam später hinzu: Ihre Werkstatt hatte uns die niedrigen Hochbeete, an denen sowohl die Kinder als auch Rolli-Fahrer gärtnern können, geliefert.
Die jungen Erwachsenen mit Behinderungen erleben sich beim gemeinsamen Gärtnern als gleichwertiger Teil der Gesellschaft und stärken ihr Selbstbewusstsein – hier gärtnern alle erfolgreich, mit oder ohne Handicap, krank oder gesund, dement oder lernend.
Die Kleinen (aus KiTa und 3./4. Klasse Grundschule) lernen im Erleben der Natur im Jahreslauf einen positiven Zugang zur Pflanzen- und Tierwelt und nebenbei Grundsätze des ökologischen Gartenbaus – adressatengerecht mit Erwin, dem Regenwurm, der sein Regenwurmfutter bekommt (Experten nennen das auch organischen Dünger) und dadurch die Pflanzen ernährt. Biologische Vielfalt wird beim Gärtnern mit bisher unbekannten Kulturpflanzen und beim Beernten der Obstgehölze, der heimischen Fruchtgehölze und der insektenfreundlichen Pflanzungen erlebbar. Die Kompetenzerwartungen der Lehrpläne werden im praktischen Tun vermittelt.
Die Senioren genießen das Dabeisein, die Abwechslung von der Heimroutine, erinnern sich, geben Ratschläge und legen auch mal mit Hand an. Gärtnern wirkt therapeutisch und allemal positiv, wie jeder Gärtner weiß.
So entstand ein GENERATIONENGARTEN - ein inklusiver Garten, in dem Kleine und Große, Junge und Alte, Fußgänger und Rollstuhlfahrer, Lernende und Vergessende jeden Mittwochvormittag GEMEINSAM gärtnern!
Und unsere Motivation? Wir präsentieren das Kleingartenwesen als modern, sozial, ökologisch. Und den Kleingarten als Garten für alle Generationen, was er doch eigentlich schon immer war.
Die "Gärtner" lernen hier die angebauten Kulturen als Pflanzen kennen, nicht nur als Früchte im Supermarkt.
Heimische Fruchtgehölze wie Scheinquitte, Kupfer-Felsenbirne, Schwarzer Holunder, Schlehe, Sanddorn, Apfelbeere, Kornelkirsche laden zum Kennenlernen -die Pflanzen sind beschriftet- und zum Probieren der Früchte ein.
Blühwiesen, insektenfreundliche Staudenbeete, Nisthilfen für Vögel, Insekten, Fledermäuse zeigen unsere Verantwortung, aber auch unsere vielfältigen Möglichkeiten auf, einen Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt zu leisten.
Der Generationengarten startete im September 2018 mit der ersten Aussaat von Radieschen.
Zuvor hatte eine Gruppe von sechs tatkräftigen Kleingärtnern um den Vorsitzenden Jörg Riesberg aus dem Kleingärtnerverein „Im Stichkanal“, in dem das Schulungszentrum liegt, die Rundweg-Bewegungsflächen für die neuen Gärtner vorbereitet und plattiert – Rollifahrer benötigen Wege von 1,50m Breite und Demenzkranke kommen schlecht mit Sackgassen klar. Die Toiletten des Schulungsgebäudes wurden rollstuhlgerecht umgebaut und die Senioren brachten eine Rampe für den Treppenaufgang mit.
Der Zaun um das Gelände wurde erneuert und die alte Hecke dort durch heimische Fruchtgehölze ersetzt – aus Eintönigkeit wird biologische Vielfalt. Die Fachberatergruppe legte zusammen mit den Imkern insektenfreundliche Staudenrabatten an.
Auch jetzt gibt’s noch was zu tun: Die durch Bauarbeiten und heiße, trockene Sommer überstrapazierte Rasenfläche wird in diesem Jahr erneuert, Blühwiesen werden angelegt, neue Tische und Bänke sollen es den Ruhebedürftigen unter den Gärtnern noch bequemer machen…

Auch in Corona-Zeiten geht es weiter - nicht nur bei den Arbeiten, sondern auch mit dem Gärtnern. Zwar müssen derzeit die Kinder und die Senioren eine Corona-Pause einlegen, die jungen Erwachsenen der Wewole sind jedoch regelmäßig an ihren Beeten und helfen uns dabei, die übrigen Beete in Ordnung zu halten, so dass die Kinder - sollten sie im Spätsommer oder Herbst wieder kommen können - ein bepflanztes Beet vorfinden.